In einem spannenden Finale haben Millionen von Zuschauern Konrad Adenauer zum besten Deutschen gewählt. Der "Alte aus Rhöndorf" siegte mit einem Vorsprung von 222.686 Stimmen auf den zweitplatzierten Martin Luther. Auf Platz drei der "ewigen Bestenliste" schaffte es Karl Marx mit über einer halben Million Stimmen. Die Plätze vier bis zehn gingen an Sophie und Hans Scholl, Willy Brandt, Johann Sebastian Bach, Johann Wolfgang von Goethe, Johannes Gutenberg, Otto von Bismarck und Albert Einstein.
Das ZDF hatte Anfang August eine Liste mit 300 Personen vorgeschlagen, die durch die Zuschauer um mehr als 1300 Namen erweitert wurde. Aus mehr als 1600 Vorschlägen wurden dann in mehreren Durchgängen und sechs großen Fernsehshows die zehn besten Deutschen ermittelt, die zum großen Finale antreten durften.

Schon mit einem guten Vorsprung war der "Alte aus Rhöndorf" ins Finale gegangen. Sein Einsatz für die Gründung der Bundesrepublik Deutschland und seine Leistung, ein schwer zerstörtes und geächtetes Land wieder zu einem international vertrauenswürdigen Partner gemacht zu habe, wurde offenbar von der Mehrheit der über 3,3 Millionen abstimmenden Fernsehzuschauer als die wichtigste Leistung eines Deutschen honoriert.
Für Adenauer stand immer die Freiheit an oberster Stelle. Sie war Voraussetzung für die Einheit aller Deutschen in einem geeinten Europa. Deshalb wollte Adenauer die Deutschen in die Gemeinschaft freier Völker führen. Nur wenn der Westen stark sei, würde der Osten eines Tages auch den anderen Teil Deutschlands preisgeben, kalkulierte er. Die Bundesrepublik wurde Mitglied der Europäischen Gemeinschaft und der NATO. Der von Adenauer und dem französischen Staatspräsidenten Charles de Gaulle konzipierte Traum eines geeinten Europas ist Wirklichkeit geworden. dafür erhielt er 778.984 Stimmen.
Ebenso umwälzend war auch das Wirken Martin Luthers. Den frommen Theologen und ehemaligen Mönch wählten deshalb 556.298 Zuschauer auf den zweiten Platz. Auslöser der Reformation waren Luthers berühmte 95 Thesen gegen den Ablasshandel, die er am 31. Oktober 1517 in Wittenberg veröffentlichte. Die Thesen fanden in der Öffentlichkeit ein gewaltiges, für Luther völlig überraschendes Echo, das letztlich die Spaltung der christlichen Kirche auslöste. Bereits 1518 wurde in Augsburg gegen ihn ein Ketzerprozess angestrengt. Den geforderten Widerruf lehnte er jedoch ab.
Auf dem Rückweg vom Wormser Reichstag, der gegen ihn die Reichsacht verhängte, wurde Luther 1521 von Freunden auf die Wartburg "entführt". Dort übersetzte er das Neue Testament der Bibel ins Deutsche. Dies war nicht nur ein wichtiges kirchenpolitisches Ereignis - der Reformator wollte die Heilige Schrift breiteren Bevölkerungsschichten zugänglich machen -, zugleich war Luther ein sprachlich-literarisches Kunstwerk von beträchtlicher Bedeutung für die Entwicklung der deutschen Sprache gelungen.
Unbestritten zu den besten Deutschen gehörte für viele Zuschauer auch der Philosoph, Historiker und Journalist Karl Marx. Er belegte mit 500.442 Stimmen hinter Adenauer Rang drei in der Bestenliste. Marx gilt zusammen mit Friedrich Engels als Begründer des wissenschaftlichen Sozialismus, den man nach ihm auch Marxismus nannte. Während seine politischen Ideale oft missbraucht wurden, ist seine Bedeutung als Sozialtheoretiker unbestritten.
Der in Trier geborene Marx emigrierte nach Studien in Berlin und seiner Tätigkeit als Chefredakteur der Kölner "Rheinischen Zeitung" nach Paris, setzte sich 1848 für die deutsche Revolution ein und lebte ab 1850 in London. Im Londoner Exil gründete Marx 1864 die "Internationale Arbeiterassoziation". Dort entstanden auch seine philosophisch-ökonomischen Hauptwerke "Zur Kritik der politischen Ökonomie" (1859) und "Das Kapital", dessen erster Band 1867 erschien. Marx war kein Kritiker der industriellen Produktionsweise Er forderte aber, den veränderten wirtschaftlichen Bedingungen auch politische Änderungen folgen zu lassen.
Ihre Aufrichtigkeit und ihre Unabhängigkeit konnten sie bewahren, ihr Leben nicht. Den Mut von Hans und Sophie Scholl, honorierten viele Zuschauer und setzten die beiden Geschwister damit auf Platz vier der Bestenliste. Hans und Sophie Scholl, Mitglieder der Gruppe "Die Weiße Rose", versuchten, was sich nur wenige trauten, sie leisteten Widerstand gegen den Nationalsozialismus und ein übermächtiges Regime. Ihren Einsatz bezahlten sie teuer: Am 22. Februar 1943 wurden sie nach einem Schauprozess hingerichtet.
Vor den Hörsälen der Münchner Universität hatten die beiden Geschwister Flugblätter verteilt und schließlich in den Lichthof flattern lassen. Sie wurden beobachtet, denunziert und verhaftet. Nach viertägigem Verhör wurden sie von Roland Freisler, dem berüchtigten Präsidenten des Volksgerichtshofs, zum Tod verurteilt und sofort hingerichtet.